Buchstabenstein
Dies ist der Buchstabenstein !

Unterhalb von Stankt Afra zu Meißen befindet sich am Grundstück Freiheit No. 10,
eingelassen in einer Mauer am Wegesrand des Seelensteigs, ein merkwürdiger Stein
mit der Darstellung ineinander verschlungener Großbuchstaben. Vermutlich beziehen sich
die Buchstaben A. B. C. & E. auf den Kreisbeamten Christoph Beyer & dessen Ehefrau
Anna Elisabeth, die das Grundstück hinter der Mauer 1690 erworben hatten.
Man fand wohl erst später heraus, dass sich mit etwas Geduld und Fantasie aus
dem Liniengewirr sämtliche Großbuchstaben des Alphabetes heraus deuten lassen.
Einige Repliken dieses Steines wurden in den letzten Jahren weltweit verteilt,
unter anderem an der Fassade des Steigenberger Hotel’s de Saxe am Dresdner Neumarkt.
( Der Hofnarr Frölich und das Dresdner Schokoladenmädchen haben diese Replik
anlässlich des Richtfestes im Jahre 2006 gestiftet, um den Besuchern der Stadt zu zeigen,
das die sächsische Sprache eine für die „Deutschsprachigen“ bedeutende ist. )
Friedrich der Weise Kurfürst von Sachsen, hatte den deutschen Reformator
Dr. Martinus Luther in Steinbach / Schweina bei Bad Liebenstein in Schutzhaft nehmen lassen,
um ihn vor dem Scheiterhaufen der inqisitorischen Ketzerverfolgung zu bewahren,
denn Luther hatte den „Kaiser des heiligen Römischen Reiches deutscher Nation“
als auch den Papst in Rom mächtig verärgert, in dem er die Reformation im Jahre 1517
mit seinen 95 Thesen zu Wittenberg eingeleitet hatte.
Nach dem Reichstag zu Worms 1521 wurde er mit dem „Päpstlichen und Kaiserlichen Bann“
belegt und war vogelfrei, er hatte nicht widerrufen, sondern sprach bewusst
„… hier stehe ich und kann nicht anders …“.
Unter dem Decknamen „Junker Jörg“ übersetzte er auf der Wartburg während
seiner Schutzhaft das Neue Testament der Bibel aus dem Griechischen ins Sächsische
also ins Meiss’nisch-Kanzlei-Deutsch, seine Mutter- und Landessprache,
denn er war gebürtiger Sachse aus Eisleben. Diese Sprache ist aus
dem Prager-Kanzlei-Deutsch, Karls IV. hervor gegangen.
Völlig unbeabsichtigt wurde dieses Meiss’nisch-Kanzlei-Deutsch
die Schrift- und Lesesprache, die Hochsprache der deutschen Kleinstaaten
und der deutschsprachigen Ländern, vorerst der reformierten Länder und dann
nach und nach auch der katholisch verbliebenen deutschen Länder.
( In den katholischen Gegenden durfte das Volk die deutsche Bibel nicht lesen,
sie wurde ihnen vom Pfarrer weiterhin aus dem Lateinischen ausgelegt und gedeutet.)
Von 1523-1533 wurde die 42 zeilige Gutenberg’sche Lutherbibel mehr als
1 Million mal gedruckt. ( Heute sind es noch 45 Exemplare )
Möglich wurde es durch den modernen Buchdruck mit beweglichen Lettern,
Johannes Gutenberg aus Mainz hatte nach 1440 in Mainz und Strassburg
die Grundlage dafür geschaffen.



